Monthly Archives:

August 2017

Der Grund Weshalb / Oder: Mein Sprachlicher Lebenslauf

Hi,

wenn man schon eine Weile lang versucht, eine neue Sprache zu erlenen, gelangen die meisten Menschen irgendwann an den Punkt, an dem sie sich fragen, ob sie überhaupt irgendwelche Fortschritte machen. Sie sind frustriert, denn sie beherrschen die Fremdsprache noch nicht so gut, wie sie es gern würden. Doch man macht Fortschritte. Wirklich! Einem selbst gelingt es leider nicht immer, diese Fortschritte auch als solche wahrzunehmen, doch ich bin mir sicher, dass sie der Familie oder den Freunden und Kollegen schon aufgefallen sind. Veränderungen an anderen Menschen wahrzunehmen ist oft so viel einfacher als sie bei uns selbst zu bemerken. Außenstehende können solche Dinge in der Regel sehr viel objektiver einschätzen als wir es selbst je könnten; sie sind eben nicht ständig vom Thema umgeben.

Wenn wir Geschichten lesen, können wir uns meistens mit den Charakteren am besten identifizieren, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie wir selbst. Und ich denke, es verhält sich ganz ähnlich, wenn es um das Thema geht, sich seines tatsächlichen Lernfortschritts bewusst zu werden. Für den ein oder anderen ist es oft hilfreich, von den Erfahrungen anderer Menschen zu lesen. Und heute möchte ich gern meine mit euch teilen.

Warum schnappt ihr euch nicht eine Tasse, macht es euch schön bequem und lest weiter? 🙂

 

Begeisterung

Als ich klein war (naja, so ungefähr acht Jahre alten), haben mir meine Eltern ein unglaublich süßes Englischlernbuch für Kinder geschenkt. Ich habe es heiß und innig geliebt. Ich konnte mich stundenlang damit beschäftigen. Ich habe dann in meinem Zimmer gesessen, die dazugehörige CD angemacht und dazu die passende Stelle im Buch laut vorgelesen. Mein Lieblingskapitel war übrigens das über Stonehenge. Ich war wirklich beeindruckt und habe es mir immer wieder angeschaut. Und ich beschloss mir Stonehenge eines Tages mal anzusehen. So in echt! (Wen alles gut geht wird das im Februar 2018 endlich was – Yay! :D) Ich denke, das war der Moment in dem ich mich in Großbritannien und die englische Sprache verliebt habe 🙂

In der 3. Klasse habe ich angefangen, Englisch in der Schule zu lernen. Es hat mir unglaublich viel Spaß bereitet, aber ich war so schüchtern, dass ich es immer vermied vor der Klasse zu sprechen. (Rückwirkend betrachtet nicht die cleverste Entscheidung, die ich getroffen habe.)

 

Ein bisschen frustrierend ist das aber schon…

Mein Enthusiasmus verlor etwas an Intensität nachdem ich auf die Mittelschule wechselte. Ich mochte den Englischunterricht immer noch, aber so langsam verwirrten mich die ganzen Grammatikregeln. Außerdem war ich immer noch zu schüchtern um Englisch zu sprechen. Meine Noten waren nicht schlecht, aber ich stellte fest, dass ich plötzlich viel mehr Zeit und Mühe darauf verwenden muss, meine Sprachkenntnisse zu verbessern.

 

Na das wird ja immer besser!

Nach meinem Abschluss bin ich nach Berlin gegangen, um hier meine Ausbildung zu machen. In der Berufsschule hatte ich natürlich auch Englisch. Yay, das war super…. Natürlich habe ich nicht angenommen, dass mein Englisch perfekt wäre. Doch basierend auf den Erfahrungen in der Mittelschule, wo ich zumindest zum guten Durchschnitt gehörte, hätte ich auch nicht erwartet, dass es so schrecklich wäre. Ich habe Englisch immer geliebt, auch wenn ich hier und da so meine Probleme hatte. Aber das Gefühl hat sich leider relativ schnell in komplettes Unverständnis mit einhergehender Frustration verwandelt.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die erste Englischstunde. Wir sollten ein paar Sätze über uns selbst schreiben; manche davon sollten der Wahrheit entsprechen, andere nicht. Anschließend sollten wir sie laut vorlesen, damit die Klasse erraten konnte, welche wahr waren und welche eine Lüge. Das sollte wohl ein lustiger und entspannter Weg sein, damit man sich untereinander ein bisschen besser kennenlernen konnte.

Aber das Sprachniveau in der Klasse war genauso breit gefächert wie die Altersspanne. Mit meinen 17 Jahren gehörte ich zu den Jüngsten. Wenn ich mich recht entsinne war der älteste Mitschüler schon 25 Jahre alt. Wir waren 28 Schüler; jeder in einem anderen Alter, mit anderen sprachlichen Kenntnissen und einem anderen schulischen Hintergrund (manche hatten einen Mittelschulabschluss, so wie ich, andere hatten Abitur und wieder andere hatten sogar schon mal ein Studium begonnen.) Es gab also Mitschüler, die fließend Englisch sprechen konnten und wenig Fehler machten. Und dann gab es Schüler, die so wie ich, nicht einmal die Hälfte des Vokabulars verstanden, die unsere Mitschüler und auch die Lehrerin verwendeten, und die einem Film in Englisch nicht einmal mit Untertiteln folgen konnten.

Als ich an der Reihe war, las ich: „I cook good.“ anstatt „I cook very well.“ (Na, was meint ihr: Wahrheit oder Lüge? 😉 )Und ich war mir ziemlich sicher, förmlich spüren zu können, wie aufgrund dieses groben Fehlers Augen verdreht und wie einige ihren Grades des Genervtseins (ist das eigentlich wirklich ein Wort oder meine persönliche Schöpfung?) offenbar als so schwerwiegend empfanden, dass sie ihn mit einem Seufzen zum Ausdruck bringen mussten. Erfahrungen wie diese waren es, die mein Selbstbewusstsein schwer erschütterten. (Und vorher war schon vorher nicht da.) Ich wollte nicht mehr vor der Klasse sprechen. Also tat ich es auch nur dann, wenn mich unsere Lehrerin dazu zwang. Nja, ich denke nicht, dass es notwendig ist, zu erwähnen, dass meine Noten noch nie schlechter gewesen sind.

Auch wenn das nicht die erfolgreichste Zeit in meiner sprachlichen Karriere war, hatte es doch etwas Positives. Es erinnerte mich daran, wie sehr ich Sprachen eigentlich liebte; insbesondere die Englische. Diese Erkenntnis half mir, mich dazu zu motivieren, meinen eigenen Weg zu finden, um mein Englisch zu verbessern.

 

Und wann bin ich fertig?

Nachdem ich 2013 meine Ausbildung erfolgreich beendet hatte, war ich wirklich glücklich, dass ich endlich etwas mehr Zeit dazu hatte, meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen. Und ja, ihr habt richtig gelesen: Das vor vier Jahren. (Wirklich?! Wow…. Ist das lang her!) Und immer noch sitze hier und schreibe darüber, dass ich selbst etwas für mein Englisch tun will. Aber es ist wahr. Das Erlernen von Sprachen kann ein wirklich langanhaltendes Projekt sein.

In der Schule habe ich immer gedacht: „Okay, ich lerne jetzt Englisch. Und wann kann ich es dann?!“ Ich denke, das zeigt, dass ich immer davon ausgegangen bin, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man eine Sprache wirklich beherrscht und man sich nicht mehr verbessern kann. Aber das ist eigentlich gar nicht wahr. Ich weiß, ich kann super motivieren, nicht wahr? 😉

Die Sache ist die: Es gibt immer Raum zur Verbesserung. Ich denke dabei gerade besonders an Fremdwörter. Kennt ihr alle Fremdwörter, die es in eurer Muttersprache gibt und könnt sie anwenden? Wohl kaum. Es sind einfach zu viele.  Dennoch sind sie Teil der eigenen Sprache, auch wenn man sie nicht benutzt. Und die Tatsache, dass man sie nicht verwendet, bedeutet doch trotzdem nicht, dass man die Sprache nicht kann, oder? Also selbst ein Muttersprache wird seine eigene Sprache nicht zur Perfektion beherrschen können, dafür ist sie zu komplex.

Ich denke, der Punkt, an dem man das Gefühl hat, eine Sprache zu beherrschen, liegt für jeden anders. Wenn man nur einige Sätze für den nächsten Urlaub lernen möchte, weil man in ein Land reist, in dem die eigene Muttersprache nicht gesprochen wird, könnte es sich schon „fertig“ anfühlen, wenn es einem gelingt ein Zimmer in einem hübschen Hotel zu buchen oder in einem Restaurant ein leckeres Gericht bestellen kann. Ich selbst habe mir mein Ziel sehr hoch gesteckt: Irgendwann möchte ich Englisch so gut verstehen, schreiben und sprechen wie ein Muttersprachler. (Jap, ich habe definitiv ein Perfektionsmusproblem :D) Letzen Endes beherrscht man in beiden Fällen die englische Sprache, oder nicht? Ich denke, dass es letztlich um die Erwartungen geht, die man an sich selbst stellt. (Okay, zugegebenermaßen mag das vermutlich nicht für diejenigen gelten, die aus beruflichen Gründen lernen. Die Erwartungen sind dann vermutlich eher die des Chefs….)

 

Lasst euch Zeit!

Wie schnell es einem gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen, ist meiner Meinung nach von einer Reihe von Faktoren abhängig. Wie gut beherrscht man die Sprache bereits? Wie viel Zeit steht einem zum Lernen zur Verfügung? Wie alt ist man? …? …? …? …?

Der Schlüssel zum Erfolg heißt regelmäßiges Üben. Wir Menschen können Informationen einfach nicht verarbeiten, wenn sie sie in kurzer Zeit und in geballter Ladung auf uns einprasseln. Unser Gehirn funktioniert so schlichtweg nicht. Es wird Informationen, die nicht regelmäßig wiederholt werden, einfach löschen. Es ist also deutlich effektiver jeden Tag zehn Minuten zu lernen, anstatt einmal die Woche für drei Stunden. Sucht euch einfach eine Methode bzw. ein Angebot heraus, dass ihr am besten in euren Zeitplan integrieren könnt. Aber bitte, setzt euch damit nicht unter Druck! Das habe ich schon ausprobiert, damit ihr es nicht müsst. Das hat kein Spaß gemacht. Ich kann es also nicht weiterempfehlen. Außerdem demotiviert man sich auf diese Weise nur selbst und das trägt bekanntlich nicht gerade zur Produktivität bei.

 

Trefft eine Entscheidung

Es gibt so viele Möglichkeiten, wie ihr euer Englisch verbessern könnt! Ihr könntet euch einer Gesprächsgruppe anschließen, einen Kurs an der Volkshochschule belegen, mit Büchern lernen, einen Onlinesprachkurs machen oder euch mit einem Tandempartner treffen.

Was für eine Möglichkeit ihr auch wählt, habt keine Angst davor, euch irgendwann für eine andere Art und Weise zu entscheiden. Macht nichts zu Ende weil ihr das Gefühl habt, ihr müsstet das jetzt zu Ende bringen, obwohl es für euch auf diese Weise schon längst nicht mehr funktioniert. Es ist wirklich wichtig etwas zu finden, was zu einem passt, denn dadurch macht es einem mehr Spaß, man hat mehr Erfolgserlebnisse und man hat weniger Probleme, sich selbst zu motivieren.

Meine Strategie ist es derzeit so oft zu sprechen, wie sich mir die Gelegenheit dazu bietet. Außerdem schaue ich TV-Serien und Filme nur noch in Englisch. Um meine Schreibfähigkeiten etwas zu verbessern habe ich zu bloggen angefangen (Wie ihr vermutlich schon geschlussfolgert habt. Das war auf jeden Fall eine super Idee. Es macht so unglaublich viel Spaß :D) Aber ich muss unbedingt wieder damit anfangen, mir am Tag zehn Minuten in Ruhe Zeit zu nehmen, um kontinuierlich zu Lernen (gerade bei Vokabeln ist das wichtig). Ja, ich gebe es zu: Ich war in letzter Zeit dahingehend etwas faul. Ich werde es euch wissen lassen, wie es so läuft 🙂

 

Perfektionismus

Ich möchte gern nochmal auf das Thema Perfektionismus zurückkommen. Ein ganz toller Dozent, den ich mal während ener Fortbildung kennengelernt habe, sagte einmal: Perfectionism is the enemy of communication. (Perfektion ist der Feind der Kommunikation.) Das war für mich irgendwie eine Aussage, die mir nicht unbekannt war, aber die mich trotzdem aus den Socken gehauen hat. Einfach weil mir die unbequeme Wahrheit bewusst wurde: Er hat leider recht.

Wie ich vorhin schon erwähnte, bin ich unglaublich perfektionistisch veranlagt. Und ich habe immer noch dieses „Ich-möchte-nicht-mit-Menschen-sprechen“-Problem. Okay, vielleicht war das nicht ganz richtig ausgedrückt. Ich möchte schon mit anderen Menschen sprechen, aber ich fühle mich in solchen Situationen immer extrem unsicher und total unter Druck gesetzt. Und immer noch denke ich: Aber er hat doch recht! Auch wenn es so unglaublich weit außerhalb meiner Komfortzone liegt, wie soll sich meine Ausdrucksfähigkeit im gesprochenen Englisch verbessern, wenn ich es nie anwende?!

Also auch wenn es wirklich schwierig für mich ist, versuche ich meine Sozialphobie (die ich übrigens auch im Deutschen habe) zu überwinden. Ich zwinge mich einfach dazu mit Leuten zu sprechen, auch wenn ich vor solchen Situationen am liebsten weglaufen würde. Aber in manchen Situationen klappt es inzwischen sogar recht gut: Ich nehme zum Beispiel Sprachnachrichten für eine Freundin von mir auf, die kein Deutsch spricht. Oder wenn ich gerade mal richtig gut drauf bin versuche ich auch mal in einem englischen Café meine Bestellung auf Englisch zu machen.

Und jedes Mal bin ich so unfassbar stolz auf mich. Yay, ich habe es überlebt! Und das motiviert mich. Ich spüre, dass es die Überwindung wert war.

 

Wie denkt ihr über diese ganze Thematik?

Mich würde wirklich interessieren, was für Erfahrungen ihr diesbezüglich schon so gemacht habt. Uhh, und ich bin auch gespannt, ob ihr denkt, dass ich gut kochen kann oder nicht! 😉 Hinterlasst mir hier unten gern ein Kommentar. Ich freue mich von euch zu lesen!

Liebste Grüße

Website im Aufbau

HEYA!

Die Website befindet sich derzeit noch im Aufbau.

Schon sehr bald werde ich hier jedoch Posts in Deutsch und Englisch zu den Themen Sprache, Reisen und Literatur (und allem, was mir sonst noch so durch den Kopf geht) veröffentlichen. Es lohnt sich also nochmal vorbeizuschauen. Wenn du keine Beiträge neuen Beiträge verpassen möchtest, kannst du mich sogar schon jetzt abonnieren. Sobald ein Artikel online geht erhälst du dann eine E-Mail.

Schnapp dir dann einfach eine Tasse, mach es dir schön bequem und fang an zu lesen.

Ich freue mich schon dich in den Kommentaren kennenzulernen 🙂

Bis bald!

Vroni