Fangirl von Rainbow Rowell

Kurzbeschreibung

„Auf ihrem Weg zu ihrem Kurs in amerikanischer Geschichte kam Cath sich vor, als würde sie die Rolle einer College-Studentin in einem Film über das Erwachsenwerden spielen.“ Seite 20.

Herbstsemester 2011. Für Cath und Wren Avery beginnt das erste Studienjahr an der University of Nebraska in Lincoln; und damit auch ein spannender, neuer Lebensabschnitt. Die Zwillinge könnten jedoch nicht unterschiedlicher damit umgehen. Während die extrovertierte Wren sich enthusiastisch in das neue Abenteuer stürzt, würde Cath, die ein unglaublicher Fan der „Simon Snow“-Romane ist,  am liebsten davor fliehen. Als Wren schließlich auch noch beschließt, dass sie sich im College kein Zimmer mit ihrer Schwester teilen wird, ist Cath fassungslos. Plötzlich ist sie ganz auf sich allein gestellt und sieht sich mit Situationen konfrontiert, denen sie sich nicht allein gewachsen fühlt. Wie soll es ihr bloß ohne Wren gelingen, sich in ihrem neuen, beängstigenden Studentenleben zurechtzufinden, deren Regeln sie nicht kennt? Wie viel einfacher es doch wäre, wenn Cath stattdessen in der Welt von Simon und Baz leben könnte. In einer Welt, in der sie sich wohlfühlt, die sie versteht, und die sie sogar nach ihren Vorstellungen umzuschreiben weiß…


© Carl Hanser Verlag
© Carl Hanser Verlag

Bibliographische Beschreibung

Titel: Fangirl
AutorinRainbow Rowell
Übersetzerin: Brigitte Jakobeit
Verlag: Carl Hanser Verlag, München
Veröffentlichungsdatum: 24.07.2017
Seiten: 480 Seiten
Preis: € 18.00 (gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3-446-25700-9
Sprache: Deutsch
Empfehlung ab : 13 Jahren / Sprachniveau B2/C1
Ranking: 4.75 von 5.0
Das englische Original ist als gebundene Ausgabe am 10. September 2013 unter dem Titel „Fangirl“ im Verlag St. Martin’s Griffin (St. Martin’s Press) erschienen


Meine Meinung

Fangirl hat mich wirklich begeistert! Ich habe es verschlungen. Innerhalb von drei Tagen hatte ich es durch. Da ich so gar nicht schnell lese, ist das ein echtes Gütesiegel 😉

Die Buch ist in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil umfasst das Herbstsemester 2011, der zweite das Frühjahrssemester 2012. Die Geschichte umfasst also das komplette, erste Studienjahr.

Cath führt den Leser als Protagonistin durch die Geschichte. Ich finde, dass sie ein ganz  wunderbarer Charakter ist, den ich schon von den ersten Seiten an in mein Herz geschlossen habe. Sie ist für mich eine liebenswerte Sympathieträgerin, mit der sich sicher viele Mädchen (und bestimmt auch Jungen) identifizieren können, die vielleicht so ihre Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten haben und deren Leben sich auch gerade an dem Wendepunkt zum Erwachsenwerden befindet. Oder auch 24-jährige Büchersüchtige, die noch immer nicht so wirklich herausgefunden haben, was es bedeutet, erwachsen zu sein 😉 (Und das vielleicht auch nie werden. #adulthoodisamyth) Auch die anderen Figuren gefallen mir außerordentlich gut, da sie einen authentisch Eindruck machen.

Außerdem finde ich es toll, wie harmonisch Cath’s Liebe zum „Simon Snow“-Universum mit der eigentlichen Geschichte verwebt wurde. Um die Anspielungen besser nachvollziehen zu können, wurden vor dem ersten Kapitel ein paar Hintergrundinformationen bereitgestellt und hübsch als Wikipedia-Eintrag verpackt. (Demzufolge handelt es sich bei „Simon Snow“ um eine Kinderbuchreihe von Gemma T. Leslie, welche zum weltweiten Bestseller wurde. Erschienen sind zu Beginn von „Fangirl“ bereits sieben Bände.) Es wird jedoch nicht nur inhaltlich Bezug genommen, sondern es wurden sogar ganze Textauszüge (im Verlauf der Geschichte) und Zitate (am Ende eines jeden Kapitels) mit eingebaut. Sehr gelungen! Dadurch konnte ich selbst ein bisschen mehr in den Simon Snow-Geschichten versinken.  Mir ist allerdings immer noch ein Rätsel, nach welchen Kriterien die Zitate aus der „Originalbuchreihe“ sowie aus den Fanfics angeordnet wurden. Das erschien mir doch oft stark durcheinandergewürfelt (mal aus dem einen Band, dann aus dem anderen und dann ein Auszug aus Cath’s Fanfiction), aber vielleicht bin ich auch einfach zu blöd, den größeren Zusammenhang zu sehen. (Was, zugegebenermaßen, nun auch nicht so unwahrscheinlich wäre :D) Was ich aber wirklich unglaublich cool fand, und nochmals einen hervorragender Beweis dafür liefert, wie gut es Rainbow Rowell gelungen ist, diese beiden Aspekte mit einander zu verknüpfen, ist der erste Satz in Cath’s Geschichte: „Ein Junge war in ihrem Zimmer.“ Seite 9. Dieser spielt nämlich auf den ersten Satz in „Simon Snow und der Erbe des Magiers“ an: „In Simons Zimmer war ein Junge.“ Seite 18. Das ist sogar mir aufgefallen 😉

Ich fand, das Tempo der Geschichte hat sich so schön gleichbleibend auf dem selben Niveau bewegt. Bis kurz vor dem Ende. Da ging für mein Empfinden alles plötzlich sehr schnell. Um nicht zu sagen: zu schnell. Das fand ich wirklich schade und führt auch zu 0.25 Punkten Abzug im Ranking. Ich hätte gern mehr Zeit gehabt, mich von den Charakteren zu „verabschieden“.

Ich lese übrigens derzeit das englische Original (Ja, direkt hinterher. Ja, ich bin ein bisschen verrückt.) und muss sagen, dass mich Brigitte Jakobeit als Übersetzerin wirklich überzeugt hat. Ich habe nicht das Gefühl, dass in der Übersetzung irgendetwas verloren ging. Außerdem gelingt es ihr ausgesprochen gut, den Schreibstil von Rainbow Rowell und die „Melodie“ der Geschichte zu treffen und in’s Deutsche zu übertragen. Auch das muss einmal lobend erwähnt werden 🙂


Fazit

Nachdem ich mir den Klappentext angesehen hatte, konnte ich der Versuchung, es zu lesen, einfach nicht widerstehen. (Auch das Cover hat mich direkt angesprochen. Sehr schön illustriert!) Und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist ein zauberhaftes und ehrliches Buch. Und mit deutlich mehr Tiefgang als ich erwartet hatte. Unbedingt lesen! Und wer nach „Fangirl“ das Simon Snow Universium einfach noch nicht verlassen kann, für den habe ich aufmunternde Neuigkeiten: Unter dem Titel Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ (bzw. im Englischen „Carry on„) wurde ein Spin-of veröffentlicht, sodass ihr anschließend direkt weiterlesen könnt 😉 Also ich werde es zumindest. Und ich freue mich schon wahnsinnig darauf 😀


Liebe Enthusiasten der Deutschen Sprache

Sobald man ein mittleres Sprachniveau erreicht hat, wird es immer schwieriger für Bücher dahingehend eine Empfehlung auszusprechen. Wie viel man versteht hängt natürlich sehr stark von dem Vokabular ab, welches man bereits gelernt hat und das kann bei zwei Menschen, auch wenn sie prinzipiell auf dem selben Sprachniveau sind, doch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Lesern, die bereits Bücher von John Green gelesen haben, kann ich dieses Buch jedoch sehr empfehlen. Es ist ähnlich anspruchsvoll. Ich denke, die Lektüre sollte mit B2/C1 ohne größere Probleme möglich sein.