Perfektionismus ist der Feind der Kommunikation

Hey,

erinnert ihr euch noch daran, dass ich in meinem letzten Post schrieb, dass „Perfektionismus ist der Feind der Kommunikation“ (Perfectionism is the enemy of communication) ist?

Tja, naja… Mit der Aussage hab ich derzeit so meine liebe Not. 😅 Versteht mich nicht falsch, ich bin nach wie vor der Meinung, dass an diesem Satz unglücklicherweise wirklich was Wahres dran ist.

Und genau das ist das Problem…

 

Zu viel nachdenken

So sehr ich es auch liebe zu schreiben, so schwer ist es auch für mich die richtigen Worte zu finden, mit denen ich meinen Gedanken Ausdruck verleihen möchte. Es ist ein bisschen als ob alles, worüber ich schreiben möchte, sich in einander verheddert und ich erst einmal die einzelnen Gedankenfäden entwirren müsste, bevor ich einen sinnvollen Satz konstruieren kann.

Dann kommt noch erschwerend hinzu, dass ich mir einen Absatz, den ich fertig formuliert habe, immer nochmal durchlese. Das könnte ein Fehler sein.

Denn immer wenn ich das so mache gelange ich irgendwann zu dem Schluss: „Hm, tja, also es ist okay. Aber da gibt es sicher noch andere Formulierungen, die meine Gedanken viel besser zum Ausdruck bringen würden.“

Und es geht los… 🙄

Das führt uns direkt zum Perfektionismus

Das ist es. Immer und immer wieder: Schreiben. Hinterfragen. Bearbeiten. Hinterfragen. Bearbeiten. Hinterfragen. Bearbeiten. Etwas ergänzen. Hinterfragen. Bearbeiten. Hinterfragen. Schreibblockade. Hinterfragen. Bearbeiten. Hinterfragen. Etwas ergänzen. Hinterfragen. Bearbeiten. Hinterfragen. Und mit ganz viel Glück komme ich dann irgendwann doch mal an den Punkt, an dem ich der Meinung bin, dass der Beitrag fertig ist. Das perfekte Beispiel für unsinnigen Perfektionismus.

Und ja: Es ist exakt so kräftezehrend, zeitraubend und frustrierend wie es klingt.

Der Feind

Ich möchte einfach nur über Dinge schreiben, die mir durch den Kopf gehen; alles, was ich in irgendeiner Weise für erwähnenswert halte. Regelmäßig. Aber trotzdem einfach nur so zum Spaß. (Obwohl es natürlich unglaublich toll wäre, wenn ich wüsste, dass dort draußen gerade irgendwer irgendwo mit einer Tasse vor dem Laptop sitzt, meine Beiträge liest und sie für hilfreich und unterhaltsam hält. Es wäre schön jemanden mit dem, was ich tue, den Tag zu verschönern und ihm oder ihr ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern ❤️)

Es ist einfach absolut demotivierend, wenn Stunde um Stunde vergeht und so absolut überhaupt kein Erfolgserlebnis aufkommt.

Natürlich bin ich schon glücklich, wenn ich letzten Endes auf „Veröffentlichen“ drücken kann, aber wenn man so viel Zeit auf’s Schreiben verwendet, dann ist am Ende nicht mehr viel Energie über für „YAY-ICH-HABE-ES-GESCHAFFT“-Gefühle; nur schlichte Erleichterung bleibt übrig.

(Einfach nur mal so zum Spaß die statistische Untermalung: Bislang habe ich den Artikel bereits 13 Mal überarbeitet und sieben Stunden daran geschrieben. 95% der ursprünglichen Fassung existieren nicht mehr. Okay, ich gebe es zu: Vielleicht bin ich auch ein ziemlicher Hardcore-Perfectionist 😅)

Perfektionistisch zu sein, bedeutet hohe Ansprüche zu haben. Es bedeutet, stets das beste Ergebnis erzielen zu wollen und dafür auch hart zu arbeiten. Und das ist auch nichts Schlechtes, nicht wahr? Eigentlich ist es sogar eine bewundernswerte und ehrenhafte Charaktereigenschaft. Doch der Grad zwischen den positiven und negativen Aspekten von Perfektionismus ist unglaublich schmal. Man muss also vorsichtig damit sein. Sehr vorsichtig.

 

Nicht vom Perfektionismus unterkriegen lassen

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Perfektionismus einen ziemlich negativen Einfluss auf das eigene Leben haben kann. Und das ist der Fall, sobald er einen davon abhält, die eigenen Ziele zu erreichen (sei es alle ein bis zwei Wochen einen neuen Beitrag zu veröffentlichen oder die Deadline für ein Arbeitsprojekt einzuhalten). Oder wenn man beginnt, sich dadurch schlecht und eingeschränkt zu fühlen.

Perfektionisten tendieren dazu, nicht so wirklich damit klar zu kommen, Fehler zu machen. Sie halten sie für etwas wirklich Schlechtes und können die positiven Aspekte daran (z.B. die Möglichkeit daraus zu lernen und beim nächsten Mal ein noch besseres Ergebnis zu erzielen) nicht oder nur schlecht wahrnehmen. Wenn sie etwas falsch gemacht haben oder es nicht geschafft haben, die eigenen Erwartungen bzw. die Erwartungen anderer zu erfüllen, erscheint es ihnen als ob sie auf ganzer Linie versagt hätten. Bedauerlicherweise kann Perfektionismus dazu führen, dass sich Betroffene unter Druck gesetzt, verunsichert, ängstlich, verärgert, entmutigt, traurig oder sogar niedergeschlagenen fühlen. Perfektionismus haben oft auch mit einem geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen. (Ich bin mit diesen Gefühlen und Emotionen auch sehr gut vertraut.)

Perfektionismus zu überwinden kann wirklich hart sein. (Ich weiß, wovon ich spreche.) Wenn du dich bei dem Thema angesprochen fühlst, gibt es aber eine Menge verschiedener Ansätze und Strategien, die du ausprobieren kannst.

 

Perfektionismus überwinden

Ich versuche meinem Alltag ein wenig Struktur zu geben. Ich setze mir deshalb beispielsweise für jede Aufgabe, die ich erledigen möchte, ein bestimmtes Zeitfenster. Wenn es mir nicht gelingt, meinen Vorsatz in der Zeit umzusetzen, dann ist es eben so. Mehr Zeit hatte ich schließlich nicht zur Verfügung und ich habe definitiv mein Bestes gegeben. (Es klappt (noch) nicht immer so, wie ich mir das vorstelle, aber es ist trotzdem sehr hilfreich für mich.) Außerdem versuche ich mir realistische Ziele zu setzen, welche ich möglichst einfach erreichen kann. Zum Beispiel räume ich täglich für mindestens zehn Minuten die Wohnung auf. Ich stelle mir einen Wecker, damit ich weiß, wann ich meine Aufgabe beenden kann bzw. muss. Aber natürlich ist das deutlich schwieriger, wenn man das, woran man arbeitet, wirklich gern tut; Beiträge zu schreiben, zum Beispiel. (Ich muss wirklich herausfinden, was für ein Zeitaufwand pro Artikel angemessen wäre 😶 Wenn du selbst bloggst, lass mich bitte wissen, wieviel Zeit du so pro Post einplanst. Ein Rat wäre toll! Schon im Voraus vielen Dank ☺️)

Außerdem habe ich für mich ein paar Wege gefunden, die mir helfen, ein bisschen abzuschalten und für mehr Ausgeglichenheit sorgen: Ich trinke eine Tasse Tee (Tee löst alle Probleme!), verkrümle mich mit einem guten Buch auf die Couch 📚, gehe spazieren 🌳, atme tief ein, meditiere ein bisschen, versuche den Moment bewusst wahrzunehmen, rede mit meinen Liebsten ☎️ (dabei ist es egal, ob sie gerade persönlich da sind oder ob wir uns nur am Telefon unterhalten), kuschle mit meiner Katze, gönne mir Schokolade🍫 , höre mir Musik 🎶 an oder tanze (auf eine wirklich schreckliche Weise) ein bisschen vor mich hin (letzteres ist definitiv eine realistische Einschätzung und basiert nicht auf schlechtem Selbstwertgefühl). Oder ich mache einfach alles ☺️

Weitere Strategien und interessante Fakten findet ihr in diesen Artikeln:
Tipps für den Umgang mit Perfektionismus“ (veröffentlicht von Psychotherapeut Dr. Rolf Merkle auf Psychotipps.com) und „How to Overcome Perfectionism“ (veröffentlicht von Anxiety BC (The Anxiety Disorders Association of British Columbia)). Vielleicht findet ihr sie ja genau so hilfreich wie ich 🙂

 

Perfektionismus und Sprache

Aber mal zurück zum Zitat, was ich zu Anfang erwähnte 😄

Wenn man Perfektionist ist und eine neue Sprache lernt, wird es höchstwahrscheinlich passieren, dass man sich unrealistische Ziele setzt. Wie zum Beispiel: „Ich möchte innerhalb von sechs Monaten so gut wie ein Muttersprachler Englisch sprechen.“ Wie sollte einem das gelingen? Insbesondere bei einem Fulltime-Job und Familie? Wenn man sich ein solches unrealistisches Ziel setzt, setzt man sich unter Druck, und weil man nur wenige Erfolgserlebnisse hat wird man sich irgendwann entmutigt fühlen und enttäuscht.

Einige Menschen, darunter auch ich selbst, haben so große Angst davor Fehler zu machen, dass sie Situationen zu meiden versuchen, die ein erhöhtes Risiko versprechen, an ihnen zu scheitern. In Bezug auf das Erlenen einer Sprache betrifft es hauptsächlich das Schreiben (und Veröffentlichen) von Texten und natürlich das tatsächliche Anwenden im Gespräch. Doch wenn man zu ängstlich ist, sich in solche Situationen zu begeben und Dinge auszuprobieren, kann man sich bedauerlicherweise auch in diesen Bereichen nicht verbessern.

Deshalb ist es wichtig zu realisieren, dass Sprachen im Grunde genommen darauf aufbauen, Fehler zu machen. Und das ist vollkommen okay. Wir können aus ihnen lernen und werden mit der Zeit besser werden 🙂 Versprochen!

 

Sind wir im selben Team?

Ist noch jemand hier, der am und zu mal für ein paar Stunden seinen Kopf abstellen würde? 😅 (Wenn Stunden nicht möglich sind, würden mir auch schon Minuten reichen. Ich bin da ja nicht so.) Oder auch mit Perfektionismus zu kämpfen hat? Hey, wir könnten eine Selbsthilfegruppe gründen! 😄 Und passende Shirts verkaufen 😂

Nein, ganz im Ernst: Passt auf euch auf und erinnert euch daran: Lasst euch vom Perfektionismus (oder irgendetwas anderem) nicht unterkriegen. Liebe Grüße!

Vroni